Haarveränderungen - Trichomegalie / Hypertrichose

Die normale Entwicklung und Funktion der Hautanhangsgebilde ist von der EGFR-vermittelten Signaltransduktion abhängig. Daher kommt es bei EGFRI behandelten Patienten zu Haar- und Nagelveränderungen.1 Etwa 90% der Patienten, die länger als 6 Monate mit EGFRI behandelt werden, zeigen Haarveränderungen.2

Definition: Lange, gebogene, starre Wimpern stellen eine besonders charakteristische Veränderung dar, die als Trichomegalie bezeichnet wird und zu Augenreizung, Konjunktivitis oder Blepharitis führen kann. Auch die Augenbrauen werden dicker und starrer, während das Kopfhaar langsamer wächst und dünner, spröder und kräuselig wird.3,4 Das Barthaar muss weniger häufig rasiert werden, und auf der Kopfhaut ist leichter Haarausfall zu beobachten, der in manchen Fällen ein androgenetisches Muster aufweist. Im Gesicht und auf der weiblichen Oberlippe kann sich eine Hypertrichose mit kleinen Vellushaaren entwickeln.3,4

Die Wimpern der von EGFRI-induzierter Trichomegalie betroffenen Patienten ähneln den langen, gebogenen Barthaaren von transgenen Mäusen, die eine dominant-negative EGFR-Mutation in der Epidermis exprimieren.5

Inzidenz: Häufig.6,7,8,9,10

Einsetzen: Mehr als 8 Wochen nach Behandlungsbeginn.

Abklingen: Erst Monate nach Abschluss der EGFRI-Therapie.

ICD-10-Schlüssel

  • L68 Hypertrichose

Grad 1

Zunahme der Haarlänge, -dicke oder -dichte, die der Patient durch regelmäßiges Rasieren bzw. Entfernen der Haare kaschieren kann oder als so wenig störend empfindet, dass er auf jegliche Art der Haarentfernung verzichtet.

Typische klinische Erscheinungsbilder von Grad 1 Haarveränderungen sind Ende der Seite zu sehen.

Grad 2

Zunahme der Haarlänge, -dicke oder -dichte, die zumindest die am häufigsten exponierten Körperbereiche (Gesicht [nicht auf den Bartbereich beschränkt] plus/minus Arme) betriff und nur durch häufiges Rasieren oder destruktive Haarentfernungsmaßnahmen kaschiert werden kann; mit psychosozialer Belastung einhergehend.

Typische klinische Erscheinungsbilder von Grad 2 Haarveränderungen sind Ende der Seite zu sehen.

 

Literatur

1Lacouture ME. Nat Rev Cancer 2006; 6: 803-812.
2Osio A et al. Br J Dermatol 2009; 161: 515-521.
3Segaert S & Van Cutsem E. Ann Oncol 2005; 16: 1425-1433.
4Robert C et al. Lancet Oncol 2005; 6: 491-500.
5Murillas R et al. EMBO J 1995; 14: 5216-5223.
6European Medicine Agency. Tarceva® (erlotinib) Summary of Product Characteristics 2009.
7European Medicine Agency. Iressa® (gefitinib) Summary of Product Characteristics 2009.
8European Medicine Agency. Erbitux® (cetuximab) Summary of Product Characteristics 2009.
9European Medicine Agency. Vectibix® (panitumumab) Summary of Product Characteristics 2009.
10European Medicine Agency. Tyverb® (lapatinib) Summary of Product Characteristics 2010.

 

Seite zuletzt im Jahr 2009 aktualisiert.

Last update: 10 Mai 2009

Trichomegalie/Hypertrichose Grad 1

Trichomegalie/Hypertrichose Grad 2